Face2Face: Traue keinem Video

Wissenschaftler haben ein Computerprogramm erstellt, mit dem die Manipulation von Videos zum Kinderspiel wird. Hier erfahren Sie, was für Auswirkungen das hat.

Wir alle wissen, dass Bilder manipuliert werden. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Photoshop und Co. die Objektivität fotografischer Aufnahmen zunichtemachen. Daher galt das Video bisher als einziger waschechter Beweis. Dass das ein Irrglaube ist, hat ein Projekt von Wissenschaftlern der Stanford University, des Max Planck Instituts und der Universität Erlangen-Nürnberg nun bewiesen.

Worum geht es denn genau bei Face2Face?

Bei Face2Face handelt es sich um eine Software, die es ermöglicht in Echtzeit Gesichtsausdrücke in Videos zu kontrollieren und zu manipulieren. Ursprünglich wurde das Computerprogramm entwickelt, um die Mundbewegungen von Schauspielern nachträglich im Film an die jeweilige sprachliche Übersetzung anzupassen – denn nichts lenkt so sehr vom Filmerlebnis ab, wie eine schlechte Synchronisierung. Eine Gesichtserkennungssoftware analysiert für 15 Sekunden die mimischen Bewegungen einer Person und erstellt daraufhin ein dreidimensionales Modell des Gesichtes in Echtzeit. Auf diese Weise können schließlich Gesichtsregungen in dem Originalvideo verändert werden.

Warum das relevant ist?!

Bisher benötigte man spezielle 3D-Kameras, um eine solche Software tatsächlich anwenden zu können. Das neue Programm des Wissenschaftler-Teams funktioniert jedoch mit jeder Kamera und jedem aufgenommenen Video. Das bedeutet, dass die Software bald nicht mehr nur für die Filmstudios mit ausreichenden finanziellen Ressourcen zugänglich sein wird. In Zukunft wird jeder fähig sein mithilfe einer simplen App Videos zu verändern. Eine Anwendung ähnlich wie das Snapchat „Face Swap“ Feature für Videoaufnahmen wird somit real.

„Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt.“

Leider ist es nicht unüblich, dass wissenschaftliche Arbeiten, mit einer guten Intention, missbraucht werden. Und so steckt auch in der Face2Face-Software ein Potenzial zum Missbrauch. Denn mit dieser können Videos von zum Beispiel Politikern manipuliert werden. Stellen Sie sich vor, sie könnten Donald Trump oder Putin jegliche Wörter in den Mund legen – internationale Konflikte könnten auf diese Weise verursacht werden. Letztlich bedeutet dies, dass auch die Objektivität von Videomaterial nicht mehr gewährleistet werden kann. In Zukunft gilt daher: Glaube nichts, was du nicht mit eigenen Augen gesehen hast!

Bildquelle: Youtube Video

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2018-04-16T15:54:09+00:00 14. Januar 2017|Categories: Kommunikation|